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PROJEKTREPORTAGE

Radstapelhaus

Foto: Esspestudios

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  • Text: Marie Bruun Yde
  • Fotos: Esspestudios

Mit vollautomatisiertem Fahrradparken bekommen Fahrräder eine Adresse, während viel Platz eingespart wird. Das Radhaus Heilbronn macht das Radparken, und damit das Radfahren, entspannt. Solche Fahrradhäuser sind in Deutschland noch selten.

Mit der zunehmenden Fahrradnutzung wächst der Bedarf an innovativen Parkkonzepten, die das Fahrrad im Stadtbild integrieren.

Wer für hochfrequentierte Orte kein Konzept für das Radabstellen hat, produziert oft Fahrradfriedhöfe. Einfache und flexible Abstellmöglichkeiten hingegen unterstützen den Umstieg aufs Fahrrad. Eine weitere Strategie zur Förderung des Radverkehrs ist die Investition in die Kombination von Radeln und Bahnreisen.

Schon mit der BUGA 2019 bewies Heilbronn, dass es urban orientiert ist und dass sich verschiedene Nutzungen in multifunktionalen Konzepten in die Stadt am Neckar integrieren lassen. Auch als Fahrradstadt markiert die kleine Großstadt sich jetzt auf der Landkarte. Mit einem Radverkehrsanteil von acht Prozent bewegt sich Heilbronn im Bundesdurchschnitt, die Stadt hat jedoch das Potenzial nach oben erkannt. Eine neue Fuß- und Radwegbrücke über die Gleisanlagen des Hauptbahnhofs von arch22 sowie das Radhaus Heilbronn sind Maßnahmen, die grüne Mobilität fördern.

Das Radhaus hat einen fahrradinfrastrukturellen Leuchtturmwert, es signalisiert, dass Radfahrende in Heilbronn ernstgenommen werden.

Das Radhaus von WÖHR steht sichtbar am östlichen Ende des Bahnhofsvorplatzes. Die transparente Kleinstruktur sagt, was sie ist: ein Parkhaus für Fahrräder, vertikal gestapelt. 122 Stellplätze auf acht Ebenen bieten Fahrrädern Platz hinter verschlossenem Tor. Es gibt drei Bedienungsmöglichkeiten – Chip, online oder per Karte – außerdem Tarife sowohl für Spontan- als auch für Dauernutzer:innen. Das Rad fährt nach oben, das Tor schließt wieder und ab zum Zug. Weitere Vorteile sind nicht nur der Witterungs- und Diebstahlschutz, sondern vor allem die Minimierung des Platzbedarfes. Der Turm nimmt nur ca. 50 Quadratmeter Fläche in Anspruch, der Platz um ihn herum bleibt frei. Die Glasfassade bezieht sich auf die benachbarte, glasüberdachte Bushaltestelle. Dabei kommt mit der vollflächigen Transparenz die Freude am Ingenieurbauwerk ebenso zum Ausdruck wie die Ästhetik der bunten Fahrräder. So wirkt der Turm auch städtebaulich integriert und nahbar.

Reichen 122 Fahrradstellplätze am Hauptbahnhof für eine 126.000-Einwohner-Stadt aus? Hoffentlich nicht, hoffentlich fahren viel mehr Menschen mit dem Rad zum Bahnhof. Aber das Radhaus hat einen fahrradinfrastrukturellen Leuchtturmwert, es signalisiert, dass Radfahrende in Heilbronn ernst genommen werden.

Das Radhaus hat einen fahrradinfrastrukturellen Leuchtturmwert, es signalisiert, dass Radfahrende in Heilbronn ernstgenommen werden. Mit der zunehmenden Fahrradnutzung wächst der Bedarf an innovativen Parkkonzepten, die das Fahrrad im Stadtbild integrieren.

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